Marlene Elvira Steinz, Kuratorin Museum Angerlehner

Wenn Künstler wie Wolfgang Dieter Bauer sich mit dem Phänomen des Luxus  auseinandersetzen, dann sind es vor allem soziale und moralische Gründe, die problematisiert werden.

Philosophen, Soziologen, Theologen oder Wirtschaftswissenschaftler befassen sich verstärkt seit dem 20. Jahrhundert mit der Definition des Luxusbegriffes und seiner Kritik.

Das Gleiche gilt für Schönheit, Kunst, Wahrheit und Gerechtigkeit, alles unbestimmte Begriffe, die ganze Bibliotheken philosophischer Diskurse füllen. Luxus allerdings hat die Philosophie bislang kaum berührt.

Der Soziologe  und Volkswirt Werner Sombart hat Anfang des 20. Jhdts. Luxus sehr einschlägig und knapp als „jeden Aufwand definiert, der über das Notwendige hinausgeht“.

Doch was ist notwendig und welcher Aufwand ist überflüssig?

Werner Sombart meint: „Die Luxuserfahrung wird an einem Gegenstand gemacht, der die Zweckmäßigkeit erfüllt wie die Uhr, der Teppich, das Haus, der Garten, die Bibliothek oder was auch immer. All diese Dinge erfüllen einen Zweck. Aber es gibt sie auch in einer Variante, die so aufwendig ist, dass man nicht mehr von reiner und reduzierter Zweckmäßigkeit sprechen kann.“

Der Philosoph Prof. Lambert Wiesing von der Universität Jena, der zu seinen Luxusforschungen auch mit einem Forschungspreis ausgezeichnet wurde, sagt: „von Luxus scheint mir sinnvoll die Rede zu sein, wenn wir es nicht an einen symbolischen Akt nach außen binden, also an eine Darstellung binden, sondern an eine bestimmte Erfahrung im Akt des Besitzens.“

So auch Prof. Thomas Hensel von der Hochschule Pforzheim, der zu diesem Thema ein Semester lang seine Studenten zum Luxus forschen ließ und das Projekt mit einer Fachtagung beendete. „Das Faszinierende am Luxusbegriff oder Phänomen des Luxus ist, dass dieses nicht einhellig ist, dass ich das nicht auf einen Nenner bringen kann. Es gibt gegenwärtig sowohl einen Luxus, der sich in ‚mehr ist mehr‘ ausdrückt (Oligarchen-Luxus), wie in einem Luxus, der sich in einem ‚weniger ist mehr‘  (Entschleunigungs, Natur-Luxus) ausdrückt. Für manche Menschen ist das Einssein mit der Natur purer Luxus.

Somit gilt, „je feiner wir unterscheiden, umso genauer können wir beschreiben.“  Und Philosophen arbeiten am Begriff.

„Luxus ist der Dadaismus des Besitzens“ betitelt Lambert Wiesing ein zentrales Kapitel seiner philosophischen Arbeit über Luxus.

„Der Dadaismus ist eine Kunstströmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zeichnet sich dadurch aus, dass sie programmatisch mit bürgerlichen Vorstellungen von Kunst bricht und dass sie bewusst eine Unvernünftigkeit proklamiert. Kurt Schwitters hat es mal auf diese verständliche Formel gebracht: „Es liegt Sinn im Unsinn.“  Der Dadaismus ist immer eine Verweigerungshaltung. Luxus entsteht dann, wenn man bewusst etwas mit seinem Besitz macht, von dem man weiß, dass es nicht vernünftig ist.“

Die endlose Spirale zwischen Sein und Schein zeigt sich in der Vielfalt des Luxus-Begriffs.

Beweise für die besondere Erfahrung von Luxus als Moment der Freiheit gegenüber reiner Zweckrationalität gibt es nicht. Denn eine Erfahrung macht bekanntlich jeder für sich allein. Lambert Wiesing gibt dazu noch einen Hinweis:

„Leitend ist einzig die Hoffnung, durch Beschreibung dafür zu sensibilisieren, dieses Phänomen als ein solches zu bemerken – sollte es sich zeigen.“

Wolfgang Dieter Bauer ermöglicht dem aufmerksamen Betrachter in seinen Arbeiten genau diese sensiblen Botschaften zur gesellschaftlichen Moral im Hinblick auf den gelebten Luxus zu erkennen. Mehr oder weniger auf den ersten Blick offensichtlich zeigen sich Bildinhalte, die die zweite Seite des luxuriösen Lebensstils der Schönen und Reichen widerspiegeln.

In diese Glamour – Welt bringt der Künstler versteckte Momente, indem er Standbilder oder Zitate aus Filmen einfügt wie beispielsweise aus Stanley Kubricks ‚Eyes Wide Shut‘ und David Lynchs ‚Blue Velvet‘.

Die dargestellten Szenerien aus den Serien „‚Luxury‘, ‚Moral‘, ‚in dreams‘ und ‚Lumberton‘ sollen wie Momentaufnahmen wirken, der Aspekt der Zufälligkeit dominiert die Bilder.

Anders als die Fotografien der Werbeindustrie hat Wolfgang Dieter Bauer eine leichte Froschperspektive gewählt, um den Betrachter die Illusion zu geben, er könne ungestört in das Bild eintreten.

Es zeigen sich Hinweise zur Gesellschaftskritik, innerer Unruhe und äußerlicher Langeweile, aktuellen Interessen der Jugend, Naturschönheit versus Virtual Reality, die Zurücknahme der eigenen Person gegenüber der gegenwärtigen Zurschaustellung, und nicht zuletzt Inhalte über das brisante sozial-politische Ungleichgewicht, wie u.a. die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme.

Wolfgang Dieter Bauer hat 2003 mit Auszeichnung in Linz diplomiert in der Meisterklasse von Frau Prof. Ursula Hübner und ist mittlerweile in bedeutenden europäischen und amerikanischen Kunstsammlungen vertreten. Ein Sammler in Genf nahm sogar ein Alex Katz Gemälde von seiner Wohnzimmerwand um einen Wolfgang Dieter Bauer zu hängen!

Zur Bildkomposition lässt sich sagen, dass der Künstler selbst aufgenommene oder vorgefundene Fotografien aus der Werbung am Computer bearbeitet und mittels seiner reinen, realistischen, figurativen Malweise mit einem harten Duktus und kühlen klaren Farben auf die Leinwand bringt. Diese Pinselführung unterstützt die zu vermittelnden Aussagen der dargestellten Sujets.

Allerdings will Wolfgang Dieter Bauer keinesfalls den Zeigefinger hochhalten und das Leben ‚in Saus und Braus‘ anprangern. Er möchte vielmehr den Betrachter einladen sich in die wahre Welt hineinzudenken, die hinter dieser sichtbaren Darstellung liegt. Sein Stilmittel dafür ist die Ironie, diese möglichst realistisch illustriert. Es braucht aber den bewussten Blick des Betrachters tiefer zu sehen, in sich hineinzuhören und zu erkennen, was  im eigenen  Leben wirklich zählt und um sein eigenes Bild des Luxus individuell zu vervollständigen.

Pictures in Conflict. Remarks on the Art of Wolfgang Dieter Bauer
by Dr. Tayfun Belgin

Somewhere in North Carolina is the small town Lumberton. If you click onto it in the Internet, you encounter a world that seems tailor-made for a film director like David Lynch and his uncanny film Blue Velvet. The official website displays a harmonious entry image with a one-family house and a young family whose two children run across the front yard to their parents – a little idyll. And it goes without saying that the idyll of this All-America City (as the website calls it) must not be disturbed, because here the city fathers want the “best quality of life achievable”, whatever that may mean. If this information on the Internet did not exist, one truly would have to invent it. And it is effective, even if it has little in common with what we Europeans regard as reality.

Such real and at the same time unreal images interest Wolfgang Dieter Bauer, who not only likes to send himself, but also his actors into virtual swimming pools. One of his sequences of pictures, this Lumberton, can definitely be understood as a metaphor for an artificial world. The element water plays an important role thereby, since it is also always an allusion to the transparence of this unreal-seeming world. At in the pictures in his series Luxury, water (swimming pools, motor yachts) surrounds the world of the affluent and the carefree. The participants in these pictorial worlds seem to dream away their inactive lives. So we need to ask whether they really choose their own actions or if they are merely externally determined.

The painter Wolfgang Dieter Bauer is an artist of the 21st century – without a doubt. At the computer, he processes advertising photographs he finds or takes himself; then he transfers these scenes into the conservative world of painting. His painting ability, his craft, permits him to stage selected situations like a film director who uses what he experiences and what he dreams to create coherent sequences. But no romanticism, no dreamed harmonious world can be expected from Wolfgang Dieter Bauer. He prefers a hard gesture. No soft-focus, no mildness in his depiction. Especially not in the scenes devoted to the luxurious life. The actors receive no clemency; these pictures hold up a mirror to their dismal lives. So the painter regards it as a matter of course to paint a picture titled “Sound of Silence” with a figure resembling Dustin Hoffmann basking, bored, on a motor yacht. It shares its title with the theme song of the movie Mike Nichols shot in 1967, “The Graduate”, whose social criticism refers to the life of the Establishment in the United States. Families that own several cars, homes, swimming pools, and profitable investments and whose reality is based on pure materialism.

Of course the painter – like all of us – is fascinated by the “Leading Hotels of the World”. For who wouldn’t like to trade his 3-star quarters with one of those the upper class resides in? But – and Wolfgang Dieter Bauer poses this question – what does that all have to do with my reality, my truth? Is it even worth striving for a place in this glittering Gucci world?

In his paintings, this painter gives a clear answer with the aid of a stylistic device: irony. His actors always move as if on a stage. They are seldom, or actually never, given the chance to carry out intelligent actions. That’s why they seem remote-controlled, and this is very clearly expressed especially in the series of pictures “Mystery”, “Lumberton”, “Luxury”, and “The Royal Aitutaki Lagoon Resort”. In his film “Match Point”, Woody Allen masterfully described this side of society, which is devoid of content. His insistent description refers to the best London society and its bored actors. So it is not surprising that his two protagonists, who come from families of modest means, are the real active characters. Woody Allen is no stranger to Wolfgang Dieter Bauer; on the contrary, in the series of paintings “Pistenraupen” (“Roadway Caterpillars”), the directing genius himself appears and plays a role himself.

Counter-examples to these are found in Wolfgang Dieter Bauer’s oeuvre particularly in the series “Denken ist Handeln” (“Thinking is Acting”). These are usually of two persons, one of whom gives the other instructions for action. The incompletely seen back alludes to a cinematic perspective, and the way the active figure expresses himself supports this. Located beyond irony, these paintings from the year 2004 have a more enigmatic effect than the scenes reveling in luxury. Fascination with film and its unmatchable wealth of sequences have accompanied Wolfgang Dieter Bauer’s creation of pictures so far. His paintings refer to reality on concrete and abstract levels alike. We can look forward in suspense to his work’s further development.

Dr. Tayfun BelginDirector of Karl Ernst Osthaus- Museum in Hagen, Germany

(Belgin, Tayfun: Pictures in Conflict. Remarks on the art of Wolfgang Dieter Bauer. In: Wolfgang Dieter Bauer. Hrsg. v. Galerie Barbara von Stechow. Frankfurt am Main, 2007, S. 7 – 8)

 

Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus Museums Hagen

Bilder im Widerstreit

Anmerkungen zur Kunst von Wolfgang Dieter Bauer

Irgendwo in North Carolina liegt die Kleinstadt Lumberton. Klickt man sich im Netz ein, so begegnet einem eine Welt, die für einen Filmregisseur wie David Lynch und seinen unheimlichen Film Blue Velvet wie geschaffen war. Die offizielle Website bietet den Interessierten ein harmonisches Eingangsbild mit  Einfamilienhaus, junger Familie sowie zwei Kindern, die im Vorgarten auf ihre Eltern zulaufen- ein heile Welt. Diese Idylle dieser All-America City (Originalton der Website) darf selbstverständlich nicht gestört werden, denn hier geht es den Verantwortlichen der Stadt um „best quality of life achievable“, also um so etwas wie „bester Lebensqualität“, was immer dies auch sein mag. Wäre diese Information aus dem Netz nicht existent, so müsste man sie wahrlich erfinden. Und sie wirkt, auch wenn sie mit dem, was wir Europäer als Realität empfinden, nicht viel gemein hat.

Solche wirklichen und zugleich unwirklichen Bilder interessieren Wolfgang Dieter Bauer, der nicht nur sich selbst, sondern auch seine Akteure gerne in virtuelle Swimmingpools schickt. Eine seiner Bildfolgen, eben Lumberton, kann durchaus als Metapher für eine künstliche Welt verstanden werden. Das Element Wasser spielt hierbei eine nicht unbedeutende Rolle, ist es doch immer auch ein Hinweis für die Durchsichtigkeit dieser unwirklich wirkenden Welt. Wie in seinen Bildern der Bildfolge Luxury umgibt Wasser (Swimmingpools, Motorjachten) die Welt der Wohlhabenden und der Sorglosen. Die Teilnehmer in diesen Bildwelten träumen, so scheint es, in ihre Tatenlosigkeit hinein. Daher gilt es zu fragen, ob sie ihre Handlungen wirklich selbst gestalten oder lediglich zum Handeln gezwungen sind.

Der Maler Wolfgang Dieter Bauer ist ein Künstler des 21. Jahrhunderts – ohne Zweifel. Er bearbeitet selbst aufgenommene oder vorgefundene Fotografien aus der Werbung am Computer und transferiert diese Szenen in die konservative Welt der Malerei. Sein malerisches Können, sein Handwerk, erlaubt es ihm, ausgewählte Situationen in Szene zu setzen, wie ein Filmregisseur, der Erlebtes und Erträumtes in schlüssige Sequenzen einbringt. Doch ist von Wolfgang Dieter Bauer keine Romantik zu erwarten, eine erträumte, womöglich harmonische Welt. Er bevorzugt einen harten Duktus. Kein Weichzeichner, keine Mildheit in der Darstellung. Vor allem nicht bei denjenigen Szenen, die sich dem luxuriösen Leben widmen. Die Akteure erfahren keine Gnade, ihr tristes Leben wird ihnen in diesen Bildern gegengespiegelt. So ist es für den Maler evident, dass er ein Bild mit dem Titel „Sound of Silence“ malt, mit einer Dustin Hoffmann ähnlichen Figur, die gelangweilt auf einer Motorjacht sich sonnt. Jener Song ist die Titelmelodie des von Mike Nichols 1967 gedrehten Film „Reifeprüfung“ (The Graduate), dessen Gesellschaftskritik sich auf das Leben des amerikanischen Establishments bezieht. Familien, die mehrere Automobile, Häuser, Swimmingpools, gewinnabwerfende Wertpapiere ihr Eigen nennen und deren Realität sich auf den reinen Materialismus bezieht. Selbstverständlich geht für den Maler – wie auch für uns – eine Faszination für die „Leading Hotels of the World“ aus, denn: Wer möchte nicht sein 3-Sterne-Quartier mit solch einem der Oberklasse tauschen? Doch – und diese Frage stellt sich Wolfgang Dieter Bauer – was hat das alles mit meiner Realität, meiner Wahrheit zu tun? Ist es überhaupt erstrebenswert, sich in diese glitzernde Gucci-Welt einzufinden?

Belgin, Tayfun: Bilder im Widerstreit. Anmerkungen zur Kunst von Wolfgang Dieter Bauer. In: Wolfgang Dieter Bauer. Hrsg. v. Galerie Barbara von Stechow. Frankfurt am Main, 2007, S. 5 – 6)

Die Wahrheit der Dinge. Vom Realismus zu Real von Dr. Tayfun Belgin

(…) Die Ausstellung „REAL. Junges Österreich“ bezieht sich auf junge künstlerische Positionen in einem Land, in dem die Dimensionen des Figurativen immer schon eine besondere Rolle spielte. (…)

Dem Leben im Luxus verpflichtet sind auch die Damen (und Herren), die Wolfgang Dieter Bauer in seiner Bilderserie „Luxury“ darstellt. Das Bildpersonal verhält sich auffällig, wie auf der Bühne. Es ist meist der Hintergrund – Swimmingpool, Yacht, Restaurant – der Hinweise auf den Luxus gibt. Eine Künstlichkeit der Personen, der schönen Frauen, ist gewollt, da hier eine enge Beziehung zwischen dem Ausdruck der Dargestellten und ihrem materiellen Reichtum synthesenhaft zum Ausdruck kommt. (…)

Ironie als Mittel der Erkenntnis ist in vielen Werken der zeitgenössischen Kunst präsent und gehört zu einer lebendigen Kunst, so wie Gustave Courbet es in seinem Realistischen Manifest zum Ausdruck brachte. Ganz gleich, ob die Zeitgenossen sich auf das Allgemeine oder das Einzelne, auf das Vorgestellte oder das Gesehene beziehen: die Wahrheit liegt für sie in den Dingen. Die Dinge sind real.“

(Belgin, Tayfun: Die Wahrheit der Dinge. Vom Realismus zu Real. In: REAL. Junges Österreich. Katalog zur Ausstellung. Kunsthalle Krems, 27. November 2005 – 12. Februar 2006, Hrsg. v. Freunde der Kunstmeile Krems. Krems, 2005. S. 6 – 8) 

Wolfgang Dieter Bauer von Mag. Eva-Maria Bechter

Der junge Linzer Maler Wolfgang Dieter Bauer hat seine Arbeiten in der eben zu Ende gegangenen Ausstellung „REAL – Junges Österreich“ in Krems gezeigt. Im Sommer stellt er zusammen mit der amerikanischen Künstlerin Robyn Whitney Fairclough in seiner Galerie Barbara von Stechow in Frankfurt aus. In Österreich wird er vertreten von der Galerie Brunnhofer in Linz.

Die Malerei des Linzer Künstler Wolfgang Dieter Bauer ist ein spannender Beitrag im Kontext der jungen figurativen Malerei in Österreich. Mit Acrylfarbe bringt der junge Maler seine Ideen auf den Bildgrund – die Themenkreise kursieren um die Bereiche Luxus, Schönheit aber auch Widersprüchlichkeit, wie vor allem in den frühen Serien der Mähdrescher und Pistenraupen.

Grundlage für seine Bilder sind stets Fotografien beziehungsweise Werbematerial, das er meist im Internet findet. Die Fotografien erstellt er selbst, besucht dafür auch immer wieder unterschiedliche Hotels oder Restaurants, um seinen für ihn wichtigen subjektiven Blick auf die Begebenheit zu werfen. Was entsteht, sind Bilder, die den Luxus, oder eben die erwähnten monumentalen Fahrzeuge, zum Thema haben. Diese selbst geschossenen Fotos führen aber weg von der „exakten Werbefrontalität“, oft hin zu einer verzerrten Blickrichtung. Die Froschperspektive verwendet Bauer gerne, um auch den Betrachter symbolisch „nieder knien“ zu lassen.

Am Computer werden die menschenleeren Fotos mit Aufnahmen von Personen kombiniert und zu einer Bildidee zusammengeführt. Eine eigne über die Zeit entstandene Bilddatei dient ihm als Fundus. Es kommt oft zu unrealistischen Größenverhältnissen zwischen den Personen und der Umgebung, aber auch zu bewusst gesetzten humoristischen Noten, wenn er in den Mähdrescher das Porträt von Woody Allan setzt. Diese Realitätssprünge sind durchwegs beabsichtigt und werden von Wolfgang Bauer auch bewusst in seine Bildidee integriert, die dann auf die Leinwand übertragen wird.

Beim Betrachter führen diese kleinen stilistischen Hilfsmittel jedoch oft zu Irritationen. Auf den ersten Blick wirken die Bilder werbewirksam, schön, ästhetisch und begehrenswert. Erst auf den zweiten Blick beginnt der Rezipient zu grübeln: sind diese hübschen Frauen in dieser luxuriösen Umgebung überhaupt realistisch? Die übergroße Figur vor dem eigentlich viel zu klein wirkenden Stephansdom dominiert das Bildgeschehen und bewirkt nicht die unterschiedlich verwendete Perspektive eine unheimliche Stimmung?

Fragen, auf die Wolfgang Bauer auch in seiner Serie Lumberton eingeht. Der Titel der Serie ist dem Film Blue Velvet von David Lynch entnommen, dem Meister des skurril Düsteren. In diesem Film, wird die Kleinstadt Lumberton entlarvt, denn die Harmonie zerbricht, als der Schein der Idylle aufgedeckt wird als Konglomerat dunkler Machenschaften. Neben seinen eindrücklichen Landschafts – und charakteristischen Figurenporträts ist David Lynch auch bekannt als malerischer Filmemacher. So werden seine Szenen oft mit den Bildern keines geringeren als Francis Bacon in Beziehung gesetzt.

Wolfgang Dieter Bauer liegt es aber nicht daran, diese unheimliche Stimmung und diese Bewegung im Foto ähnlichen eingefrorenen Still darzustellen, sondern er verwendet Filmausschnitte, die er in die österreichische Umgebung integriert und holt so die vermeintliche Idylle Lumbertons in sein Heimatland. Die vorhin angesprochne Irritation wird somit Teil der Bildidee, im Formalen, wie auch im Inhaltlichen.

Soziale Kritik schwingt bei Bauer oft mit, gerade dann, wenn er sich seiner Serie Luxury zuwendet. In der Umgebung der Schönen und Reichen wirken die – wieder am Computer montierten – Figuren oft einsam und verloren. Sie sonnen sich am Pool eines Fünfsternehotels, sie dinieren in einem Haubenrestaurant, sie genießen den Luxus und doch wirken sie fremd und unglücklich. Wolfgang Bauer sagt dazu: „Die Serie Luxury, Luxus in Österreich, soll jene Gruppe von Personen beleuchten, für die Luxus – in welcher Form auch immer – zum Alltag gehört und für die die Faszination, die ein Aufenthalt in einem Fünfsternehotel auf viele Menschen ausübt, verloren gegangen ist – Personen, die ihre Tage rauchend und Champagner trinkend auf Seeterrassen zubringen, auf den ersten Blick entspannt wirken, sich aber tatsächlich zumeist langweilen.“

Bauer verwehrt sich in seinen Bildern oft einer subjektiven Handschrift, die Malerei wirkt glatt, äquivalent verhaltend zu der Szene und der Idee hinter dem Werk. Die einzelnen Farben werden flächig auf die Leinwand gesetzt. Es schwingt kein Hauch von romantischem Impressionisums mit, seine Bilder drücken die Klarheit des Dargestellten aus und vermeiden jegliche illusionistische Tiefenschärfe.

Offener im Pinselduktus und perspektivisch gestaffelt sind die Werke aus der Serie der Mähdrescher und Pistenraupen. Oft wird das Gras bzw. der Schnee – in dem sich der Fotograf befindet und durch das die extreme Perspektive hervorgeht – vor dem maschinellen Monstrum malerisch aufgetragen. Und dann erblickt der Betrachter einen vermeintlich Bekannten, der hinter dieser struppigen Grasvegetation oder der Skipiste im Gefährt hinter dem Steuer sitzt: Woody Allen, Alfred Hitchcock, Evita Peron oder gar Elvis Presley.

Weg vom humoristischen geht die neue Serie von Wolfgang Bauer: Mystery. In einer Villa in Mitten einer Parklandschaft hält sich die Hausherrin hinter herunter gelassenen Jalousien auf. Und doch kann der Betrachter sie durch die einzelnen Lametten ausmachen. Er scheint ihr direkt in die Augen zu blicken und sie blickt zurück und erkennt somit, dass sie nicht unsichtbar ist, hinter dem vermeintlichen Stoff. Und die Geschichte nimmt ihren Lauf…

(Bechter, Eva-Maria: Wolfgang Dieter Bauer. In: vernissage. das magazin für aktuelles ausstellungsgeschehen. Nr. 252, 2006 März, 26. Jahrgang, S. 40 – 44) 

Erhard Metz

Sommerausstellung in der Galerie Barbara von Stechow: Wolfgang Dieter Bauer, Robyn W. Fairclough und Angel Peychinov

26. Juli 2010

Fürwahr, nicht nur bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius ging es sommerlich zu bei der Vernissage zur Ausstellung “Dreaming in the Summer” der Galerie Barbara von Stechow: Hotel- und Urlaubsszenen aus fernen Ländern, Damen in sommerlich-leichter Bekleidung und an sandigen Stränden weilende Kinder erwarteten die Besucher.

Wieder einmal gelang es Galeristin Barbara von Stechow und ihrer Mitarbeiterin Sylvia Schlieder, dem selbstgestellten hohen Anspruch gerecht zu werden, besonders bemerkenswerte Positionen zeitgenössischer und vor allem junger Künstler der Region wie auch aus dem europäischen Raum und den Vereinigten Staaten von Amerika ihrem gewohnt qualitätsbewussten Publikum zu präsentieren.

Eine Entdeckung ist zweifellos der 1977 im oberösterreichischen Vöcklabruck geborene Wolfgang Dieter Bauer. Von 1998 bis 2003 studierte er an der Kunstuniversität Linz in der Meisterklasse Malerei von Ursula Hübner. Im Juni 2003 bestand er das Diplom mit Auszeichnung. Seit dem Jahr 2000 stellt der Künstler aus, bislang im Schwerpunkt in Österreich, aber auch bereits bei Barbara von Stechow. Bauer lebt und arbeitet in Wolfsegg am Hausruck, Oberösterreich.

Bauer erweist sich als ein Meister der Verführung und Verwirrung: Nur vordergründig bedient er sich Szenen und Protagonisten aus Filmen wie Blue Velvet, Die Reifeprüfung, Pulp Fiction oder Eyes Wide Shut, die er als Inspiration für seine opulente Malerei aufgreift und verfremdet.

Die “Heile, schöne Welt”-Szenerien der wohlhabend wie sorglos Lebenden erweisen sich ebenso wie ein in seinen Gemälden vermeintlich zur Schau gestellter Luxus bei näherem Hinsehen als ambivalent-trügerisch. Personen bleiben einsam, verlieren sich gelangweilt, scheinbar der Bodenhaftung verlustig, im weiträumigen Ambiente einer Hotelhalle oder verharren abwesend-wartend vor dem Eingang von Nobelhotels. Ein Schimmel steht, auf artifiziellem roten Grund, verloren und deplaziert in einer am Meer belegenen Parkszenerie. Bauer öffnet den Blick in eine hintergründige Welt. Seinen von hoher handwerklicher Disziplin zeugenden, dem Realismus verpflichteten Bildern eignet in vielem etwas Träumerisches, Märchenhaftes, oft durchaus Surrealistisches. (…)

(Metz, Erhard: Sommerausstellung in der Galerie Barbara von Stechow. In: www.feuilletonfrankfurt.de.  Frankfurt, 26. Juli 2010)